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GESUNDHEIT

Dengue- und Chikungunya-Virus – Zwei endemisch
virale Erkrankungen in Malaysia

Dengue- und Chikungunya-Viren kommen endemisch in Malaysia vor und werden durch Moskitos übertragen. Neben der gemeinsamen Art der Übertragung haben beide Erkrankungen ein ähnliches Erscheinungsbild.

Aedes aegypti

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aedes aegypti, Abb. 1

Obwohl sie sich in Diagnostik, Therapie und vor allem hinsichtlich präventiver Maßnahmen nicht sehr voneinander unterscheiden, sind die unterschiedlichen Langzeitfolgen der wesentliche Grund, warum eine diagnostische Abklärung angestrebt werden sollte.

Die Dengue-Virus-Infektion ist die im tropischen und subtropischen Klima häufigste durch Mücken übertragene Virusinfektion. Es lassen sich vier unterschiedliche Typen (Dengue Typ 1 bis 4) unterscheiden. Bei einer Infektion mit Dengue wird jeweils nur eine gegen den aktuellen Typen gerichtete Immunität gebildet. Bei neuerlicher Infektion mit einem anderen Dengue-Virus-Typen besteht später allerdings ein erhöhtes Risiko für eine dann schwer verlaufende Dengue- Infektion.

Nach dem Stich von Mücken der Gattung Aedes (Aedes aegypti, Abbildung 1, oder Aedes albopictus, Abbildung 2) beginnt die Erkrankung bei Dengue nach 3 bis 14 Tagen mit grippeähnlichen Symptomen. Das klassische Dengue-Fieber ist eine selbstlimitierende, kurzdauernde Erkrankung mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Glieder- und Gelenkschmerzen und einem Hautausschlag, der allerdings nicht immer vorliegt. Bei der schweren Krankheitsform (hämorrhagisches Dengue-Fieber) kommt es zudem zu unterschiedlich stark ausgeprägten systemischen Blutungen und kleinen Blutungen aus der Haut, blutigem Stuhl, Nasenbluten und blutunterlaufenen Bindehäuten.

Da in den meisten tropischen Regionen in der Regel nur ein Typ permanent vorkommt, sind milde Erkrankungsverläufe häufig, schwere Dengue-Erkrankungen durch eine Folgeinfektion mit einem anderen Typen jedoch relativ selten.

In Malaysia wurden 2008 mit insgesamt 49 335 gemeldeten Fällen leicht erhöhte Erkrankungszahlen beobachtet, 78 Menschen starben. Ein Großteil der Erkrankungen trat in den Staaten Perak, Selangor, Negeri Sembilan, Melaka, Johor, Terengganu und Kelantan sowie in Putrajaya und Labuan auf. In Pahang sanken allerdings die Erkrankungszahlen um mehr als die Hälfte. Bis zum 8. November 2008 wurden dort 1 044 Erkrankungen gemeldet, im Vergleichszeitraum 2007 waren es mehr als doppelt so viele Fälle, nämlich 2 338.

Chikungunya-Fieber ist ebenfalls eine virale Infektion, die in Südostasien und besonders Malaysia vorkommt. Im Januar 2007 wurde ein größerer Ausbruch in Perak beobachtet, davor wurden bis zum Dezember 2006 36 Erkrankungen in Malaysia bestätigt. In der Vergangenheit trat die Erkrankung gehäuft in Ipoh und Putrajaya mit etwa 30 Erkrankten auf, weitere Ausbreitungen fanden aber nicht statt.

Das Chikungunya Virus wird durch den Stich verschiedener Mücken (Aedes-, Culex-, Anopheles- und Mansonia-Spezies) übertragen. Der häufigste Überträger in Malaysia ist aber ebenfalls Aedes aegypti. Zu einer höheren Anzahl von Erkrankungen kommt es regelmäßig bei hoher Mückendichte nach der Regenzeit und entsprechenden Temperaturen auch schon bei niedriger Durchseuchung der Bevölkerung.

Nach dem Stich einer Virus tragenden Mücke tritt die Erkrankung nach 3 bis 12 Tagen auf. Am Anfang kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Hautausschlag und einer Bindehautentzündung, Symptome, die denen einer Dengue-Infektion sehr ähnlich sind. Charakteristisch ist dann aber das plötzliche Auftreten auffallend starker Gelenkschmerzen. Die Gelenkschmerzen treten symmetrisch auf und betreffen insbesondere die Hand-, Ellbogen-, Schulter-, Knie-, Sprung- und Fußgelenke. In den meisten Fällen wird über eine ausgeprägte Gelenksteife geklagt. Im Gegensatz zu Dengue neigt Chikungunya zu einer lange anhaltenden und wiederkehrenden Erkrankung. Nach 1-3 Tagen allgemeiner Krankheitssymptome folgt eine kurze, 2-4 tägige, Besserungsphase. Die dann wiederkehrende Erkrankung zeigt ausgeprägte rheumatische Symptome, was zu einer Verwechslung mit rheumatischen Erkrankungen führen kann. Etwa drei Jahre nach der Infektion besteht bei 12% der Patienten noch ein unterschiedlich schwer ausgeprägtes Beschwerdebild. Andauernde Gelenksteife mit Schmerzen und wiederkehrender Gelenkschwellung lassen sich noch bei 5% der Patienten diagnostizieren.

Polo I, 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aedes albopictus, Abb. 2

Sowohl Dengue als auch Chikungunya lassen sich durch den typischen Krankheitsverlauf klinisch leicht vermuten. Beide Erkrankungen können durch eine Blutuntersuchung bestätigt werden. Auf Grund der Häufigkeit von Dengue in Südostasien kann der Labornachweis de facto von fast allen Spitälern in Kuala Lumpur durchgeführt werden. Der Nachweis des Chikungunya-Fiebers ist in allen Universitätsspitälern und High-End- Krankenhäusern in Kuala Lumpur möglich. In beiden Fällen muss aber immer eine Malaria- Infektion ausgeschlossen werden.

Die Therapie beider Erkrankungen erfolgt überwiegend symptomatisch, da eine effektive antivirale Therapie im akuten Krankheitsfall bislang nicht zur Verfügung steht. Zu Todesfällen kommt es bei Dengue – wenn überhaupt – insbesondere bei Kleinkindern, daher ist eine rasche Hospitalisierung und unter Umständen eine intensivmedizinische Beobachtung bei diesen Patienten wichtig. Bei Chikungunya-Fieber bringen Antiphlogistika (entzündungshemmende Medikamente) meist nur wenig Schmerzlinderung. Physikalisch- medizinische Maßnahmen stehen hier im Vordergrund der Behandlung und werden in Kuala Lumpur zum Beispiel im Prince Court Medical Centre angeboten.

Ein Impfstoff gegen Dengue oder Chikungunya steht derzeit nicht zur Verfügung. Gegen Dengue wird allerdings an verschiedenen Impfstoffen gearbeitet. Einige befinden sich zurzeit in klinischen Prüfungen, jedoch hat keines der Mittel bisher die Marktreife erlangt. Nach wie vor gilt als bester Schutz vor einer Dengue- oder Chikungunya-Infektion die Vermeidung von Mückenstichen durch die konsequente Anwendung von Repellentien und das Tragen von tropentauglicher Kleidung. Beide Ratschläge sind zwar für Personen geeignet, die sich nur kurzfristig in den Tropen aufhalten. Für Personen, die jahrelang in Malaysia leben, ist jedoch diese Form der Prophylaxe langfristig nicht realisierbar. Eine deutliche Verringerung des Infektionsrisikos kann derzeit einzig und allein durch eine effektive und methodisch korrekte Kontrolle der Mückenpopulationen erreicht werden. In Anbetracht der derzeitigen Vektorkontroll- Maßnahmen in Malaysia besteht dazu keine große Hoffnung. Der Schlüssel der erfolgreichen Kontrolle ist die Vernichtung der Brutstätten der Moskitolarven. Dabei handelt es sich um alle Flächen mit stehendem Wasser, also Blumentöpfe, Beete, Zierteiche, aber auch Abfall wie Plastiksäcke und Autoreifen, welche dem befruchteten Moskito-Weibchen nach einer Blutmahlzeit als Ablageort für die Eier dienen.

Was man tatsächlich in den Städten und auf dem malaysischen Land unternimmt, ist ein regelmäßiges „Ausräuchern“ der Garagen, Kellerräume und Gärten. Diese kuriosen Aktionen haben zwar einen hohen Attraktionswert, beeindrucken vorbeifliegende Mücken – insbesondere im Freien – jedoch nur wenig. Leider kann der Einzelne zur Moskito-Kontrolle wenig tun. Denn auch wenn man in seiner unmittelbaren Umgebung auf Vermeidung von stehendem Wasser achtet, hat man wenig Einfluss auf die weitere Umgebung. Hier kann letztlich nur durch strenge Maßnahmen der Regierung, besonders an den unzähligen Baustellen im Land, ein messbarer Erfolg erreicht werden. Es würde schon reichen, wenn die in Malaysia bestehenden gesetzlichen Regelungen und hohen Strafen auf Nichtbeseitigung von Moskito-Brutstätten durchgesetzt würden.

Legenden der Abbildungen:

Abbildung 1 – Aedes aegypti Abbildung 2 – Aedes albopictus

Typisch für diese in Malaysia am häufigsten auftretende Mückenart ist der hellbraune Körper mit den zarten weißen Flecken an den Seiten. Ebenfalls auffällig für die Aedes-Mücke sind die buschigen Antennen, anhand derer sie leicht erkannt werden kann.

Diese ebenfalls häufig vorkommende Mückenart ist von Aedes aegypti durch die sehr dunkle, fast schwarze Farbe zu unterscheiden. Besonders auffällig sind die weißen Streifen an den Beinen und der typische weiße Strich am Rücken der Mücke.

 

Yes, 2005Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, DTMH (London)
Institut für Hygiene, Experimentelle Mikrobiologie und Qualitätsforschung
Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich

 

 

 

 

 

 

Anmerkung der KL-POST-Redaktion:
Seit Sommer 2008 wird in der malaysischen Presse wiederholt über einen Anstieg der Dengue-Erkrankungen und auch vermehrt über Chikungunya-Fälle in Malaysia berichtet. Nach einer Information des Malaysischen Gesundheitsministeriums vom 19. Januar 2009 sind allein in diesem Jahr vom 4. bis zum 17. Januar 3211 Dengue-Fälle, darunter 8 Todesfälle, gemeldet worden, mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum im Jahre 2008 mit 1514 Fällen, darunter 4 Todesfälle. Die meisten Fälle (63%) sind im Klang Valley aufgetreten, ebenfalls Zunahmen verzeichneten die Staaten Pulau Pinang, Johor, Sarawak und Kedah. In der gleichen Zeit, also 4. bis 17. Januar 2009, sind außerdem 364 Chikungunya-Fälle in Malaysia gemeldet worden, die am meisten betroffenen Staaten sind Selangor, Kelantan, Perak, Johor, Kedah, Pahang und Pulau Pinang. Im gesamten Jahr 2008 wurden in Malaysia 4271 Chikungunya-Fälle registriert. Weitere Infos unter: www.moh.gov.my


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